Seit einigen Jahren Jahren beobachten wir Honigbienenvölker, die im Raum Dresden wild leben. Ursprünglich lebte Apis mellifera bei uns auch wild, und die Grenze zwischen Nutztier und Wildtier ist bei Honigbienen auch immer noch verschwommen. Unser Ziel ist es, langjährig erfolgreiche Völker zu beobachten und wenn möglich zu schützen, mit der Hoffnung, dass es irgendwann in Dresden wieder eine wilde Population von Honigbienen geben kann. Über Meldungen von Standorten wilder Völker sind wir daher dankbar.

Der Phantasie der Bienen sind bei der Immobiliensuche kaum Grenzen gesetzt. Sie reichen von alten Bäumen über Zwischendecken in Hausfassaden bis zu Garagenwänden und Dächern. Manchmal kommt es zu Konflikten, die aber nach Möglichkeit mit Insektengittern im Fenster oder ähnlichen Lösungen beseitigt werden können

In seltenen Fällen kann der Standort leider nicht erhalten werden. Ein solches Volk kann mit einigen Mühen umgesiedelt werden. Im Juni diesen Jahres hatten Marion Loeper, Bienenschwarm- und Wespen-, Hornissen-, Hummelbeauftragte im Imkerverein Dresden und ich die Ehre, ein Honigbienenvolk aus einer Garagenwand umzusiedeln. Dies war wohl mein eindrucksvollstes Imkererlebnis bisher. Wer hätte gedacht, dass man als Imker auch unter Umständen zum Schlagbohrhammer greift, während man einen Schleier trägt. Dabei galt es zuerst, die genaue Lage des Nestes zu ergründen, was mit Taschenlampen und Spiegel schlussendlich gelang.
Besonderes Staunen stellte sich ein, als wir die kompletten Waben des Bienenvolkes vor uns sahen. Diesen Superorganismus in seiner ganzen Pracht, ohne Einschränkung durch Rähmchen, werde ich wohl nie vergessen. Auch die menschlichen Anwohner waren begeistert, und die Töchter des Hauses verbrachten Stunden ohne jede Scheu vor den summenden Insekten damit, verstaubte und verklebte Bienen in einem „Bienenkrankenhaus“ gesund zu pflegen. Am Ende des Tages konnten sie einige der Waben in klebriger Handarbeit zu Tropfhonig verarbeiten. Vielen Dank an Herrn Kalusche für die wunderbaren Photos!

Es ist durchaus möglich, dass dieses Volk schon einige Jahre dort lebte. Neben diesem sind uns im Raum Dresden drei Völker bekannt, die seit mindestens einem Winter wild leben. Eines davon hat sogar schon zwei Winter ohne imkerliche Hilfe erfolgreich überstanden. Allerdings lässt sich teilweise schwer feststellen, ob es sich um das selbe Volk handelt, oder der Standort von einem Schwarm neu besiedelt wurde. Dennoch tut es gut, als Imker die Honigbiene immer mal wieder als eigenständiges, resilientes Wildtier zu betrachten. Ich hoffe, eines Tages in einer Landschaft zu leben, die einigermaßen frei von Pestiziden ist und eine solche Biodiversität beherbergt, dass es wieder stabile, gesunde Populationen wilder Honigbienen gibt!

Advertisements