Bei dieser Überschrift liegt in Zeiten von Trachtpflanzenknappheit der Gedanke nahe, dass ausschließlich Futterressourcen gemeint sind. Doch dieser ist nur einer von mehreren Punkten, bei denen es den Hummeln und ihren artverwandten Stechimmen durch volksstarke Honigbienenstände schwer gemacht wird, zu überleben. Solche Effekte sollten auch wir Imker im Auge behalten, denn obwohl überall der Erhalt und die Unterstützung der Honigbiene beworben wird, gibt es eindeutige Anzeichen dafür, dass nicht die Masse der bestäubenden Individuen entscheidend ist, sondern deren Artenvielfallt.

Studien zur gegenseitigen Beeinflussung von Honigbienen und Hummeln in enger Nachbarschaft (Roubik, 1983; Shaffer et al., 1983) haben gezeigt, dass mit Rückgang der Massentrachten und des Überangebotes an Blüten Ende Mai der Konkurrenzdruck um das Trachtangebot für die einzelnen Arten steigt und sich bis zu 90% überlappt. (Thomson, 2006). Bienenvölker nehmen zu diesem Zeitpunkt in der Anzahl der einzelnen Individuen zu, so dass auch dieser Faktor im Konkurrenzkampf eine tragende Rolle spielt.

Eine Untersuchung zur Auswirkung dieses Konkurrenzdrucks (Elbgami et al., 2014) ergab, dass Hummelvölker, welche in direkter Nähe von Bienenvölkern leben, kleinere Arbeiterinnen hervorbringen und dass die Anzahl der später im Jahr erbrüteten Königinnen in Anzahl, Größe und Gewicht stark abnimmt. Dieser Effekt ist ausschließlich auf die Mangelernährung zurückzuführen, so Elbgami. Zu ähnlichen Erkenntnissen gelangte auch Thomson (2004) bei der Untersuchung von Lebensraumverlusten bei der Bombus occidentalis (Westliche Amerikanische Hummel). Er beschrieb in seinem Artikel Vitalitätsverluste der Hummelvölker, welche durch die Reduzierung des Nahrungsangebotes verursacht wurden.

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Ein zusätzliches und ebenso stark ins Gewicht fallendes Problem für Hummeln stellt eine kleine Motte dar, beziehungsweise deren verwandte Arten: die kleine und große Wachsmotte, welche sich in jeder Imkerei ab und zu zwischen Schied und Gitterboden oder in alten Waben tummeln und sich von den eiweißhaltigen Puppenhäutchen und Pollenresten ernähren. Genau wie die Hummelnestmotte (Aphomia sociella), besitzt auch die Wachsmotte ein Ausweichverhalten bezüglich ihrer Nahrungsquellen. Die Hummelnestmotte, welche zur Gruppe der Allesfresser zählt und nicht auf Wachs angewiesen ist, sucht auch Wespennester heim und zerstört diese. Die heimischen Wachsmotten (Galleriinae) sind hingegen auf Wachs angewiesen, wobei deren Herkunft keine Rolle zu spielen scheint. Von dem süßen Duft der Pollen- und Honigvorräte angelockt, stürzen sie sich ebenso auf Hummelvölker – gerade dann, wenn diese ihre größte Volksstärke erreicht haben und alle Vorratstöpfe reichlich gefüllt sind.

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Das Ausweichverhalten der Wachsmotte steigt ähnlich wie der Nahrungskonkurrenzdruck mit der Nähe zum nächsten Bienenvolk und damit zur nächsten Imkerei. Das Problem, welches sich hierbei ergibt, ist, dass die Wachsmotte nachhaltig jegliche Nachkommen dieses Hummelvolkes zerstört. Während sich Honigbienen mit ihrer Anzahl und ihrem Putzverhalten recht gut gegen Wachsmotten zur Wehr setzen können, sind Hummeln ihnen schutzlos ausgeliefert und somit ihre Völker unweigerlich dem Untergang geweiht. Die einzige Ausnahme ist hier die Erdhummel und auch nur dann, wenn diese ihre Nester in Erdhöhlungen in einer größeren Tiefe als 30 cm anlegt. Künstliche Hummelbehausungen besitzen für dieses Problem eine kleine Klappe, welche die Nistkästen mottensicher verschließt. Nur ist dies leider keine Option für in der Natur lebende Völker. [Autor: Thomas Mai]