Im Mai 2014 gründeten Vertreter der sächsischen Bauern- und Imkerschaft die Landesarbeitsgemeinschaft Imkerei und Landwirtschaft (LAGIL), mit dem Ziel der Verbesserung der gegenseitigen Kommunikation. Einen ihrer Arbeitsschwerpunkte stellt die Öffentlichkeitsarbeit zum Bienen- und Insektenschutz dar. Wie diese konkret aussehen könnte, zeigt bereits die erste LAGIL-Veröffentlichung. Ende letzten Jahres gab die LAGIL ein Faltblatt heraus, in dem sie unter anderem die „Freigabe der Naturschutzgebiete für die Imkerei“ fordert. Diese Forderung wird von Teilen der Imkerschaft seit einigen Jahrzehnten immer wieder einmal vorgebracht, bedingt durch den stetigen Rückgang natürlicher Trachtquellen in landwirtschaftlich genutzten Gebieten sowie die Gefahren, die vom Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ausgehen. Aber auch der Bauernschaft kommt das Ansinnen einer Öffnung der Naturschutzgebiete für die Imkerei natürlich entgegen, da sie sich auf diese Weise elegant der berechtigten Forderung der Imker nach einer bienenfreundlicheren Landwirtschaft entziehen kann. Bereits bestehende Studien, die sowohl eine Nahrungskonkurrenz, als auch andere Negativeffekte für andere Insektengruppen aufzeigen, werden daher gern ignoriert.

Die Befürchtung liegt nahe, dass die sächsische Imkerschaft sich hier sehenden Auges vor den bäuerlichen Karren spannen läßt, denn abgesehen von der mit einer solchen Forderung verbundenen Gefährdung von Wildbienen & Co. kommt das Ganze einem freiwilligen Abzug der Imker in „Reservate“ gleich.

Eine weiterer Arbeitsschwerpunkt der LAGIL ist die Verleihung von Hoftafeln für landwirtschaftliche Betriebe mit dem Prädikat „Vorbildlicher Betrieb im Bienen- und Insektenschutz„. Auch hier lassen sich die Motive, aber auch das Vorhandensein einer ausreichenden entomologischen Fachkompetenz bei den Vertretern der Bauern- und Imkerschaft eher bezweifeln. Insektenschutz ist ein Fachgebiet, auf dem es nur wenige Experten gibt. Ohne diese Fachkompetenz Betriebe für Insektenschutz zu prämieren, läßt vermuten, dass nicht der Insektenschutz primäres Ziel ist.

LAGIL-Hoftafel

Ein einfaches Beispiel, wie schwierig Insektenschutz ist, ist das Anlegen von Blühstreifen. Was für Honigbienen eine willkommene Nahrungsquelle ist, kann für Wildbienen und andere Insekten leicht zur Falle werden, denn Nester und verpuppte Tiere finden ihren Platz im vermeintlich ertragreichen Biotop, welches bei der nächsten landwirtschaftlichen Bearbeitung zerstört wird. Somit ist Honigbienenschutz nicht unbedingt gleich (Wild-)Bienen- und Insektenschutz. Hier würde es helfen, mehrjährige Blühstreifen in Kombination mit Nisthabitaten anzulegen.

Die Liste der Unterstützer der Forderungen der LAGIL ist lang. So gehören laut dem Faltblatt neben dem NABU der BUND, das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie Köllitsch, der Landesverband Sächsischer Imker sowie ganz wichtig „Versicherung“ dazu. Große Namen für fachlich fragliche Forderungen. Erste Nachfragen von unserer Seite legen den Schluß nahe, dass hier teilweise keine Absprachen mit den Beteiligten vorausgingen. Der NABU Sachsen, der ebenfalls in der LAGIL vertreten ist, hat sich bereits öffentlich von dem Faltblatt distanziert. Ebenso distanzieren sich BUND und BUND Sachsen, die im Faltblatt genannt werden, jedoch gar nicht in der LAGIL mitarbeiten.

Besucht man die LAGIL-Seiten des Sächsischen Landesbauernverbands, so findet man viele Rubriken wie „Info Imkerei“. Doch leider sind alle Dokumente passwortgeschützt und nur für Mitglieder zugänglich.

Auffällig ist, dass die Forderungen der LAGIL das landwirtschaftliche Kerngeschäft – die Arbeit mit dem Feld – weitestgehend unberührt läßt. Alte, tiefgreifende aber bewährte Ansätze, wie die des integrierten Pflanzenschutzes mit Fruchtfolge, finden keine Erwähnung. Stattdessen streckt man die Hand nach Naturschutzgebieten aus, um auch diese noch den Interessen der Agrarindustrie unterzuordnen.

Wir Imker sollten uns bewußt sein, dass auch Bienenhaltung auf gewisse Weise zur Massentierhaltung werden kann, wie am Beispiel des Dresdner Heller zu sehen, wo auf einer ökologisch wertvollen aber auch sensiblen Binnendünenlandschaft mehrere Dutzend volksstarke Bienenstöcke Nektar und Pollen sammeln – mit den zu erwartenden Folgen für die dort ansässigen blütenbesuchenden Wildinsektenarten.

ToTDer Ansatz der LAGIL, Imker und Landwirte an einen Tisch zu bringen ist sicherlich positiv zu bewerten. Der bisher tatsächlich eingeschlagene Weg der LAGIL wirft jedoch bereits jetzt Fragen auf. Quo vadis, LAGIL? [Autor: Mandy Fritzsche]